Samstag, 08.03.2014 

 

 

 

   

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Nachdem wir uns am 23.2. ziemlich lange bei den Störchen in den Aiquamolls (Spanien) aufgehalten

haben, geht es ziemlich spät am Nachmittag Richtung französische Grenze. Nach ca. 40 km suchen

wir einen Stellplatz. Das ist nicht ganz so einfach, da die Küste hier sehr felsig und wenn, dann eng

mit kleinen Häusern bebaut ist. Man fährt praktisch immer oberhalb auf dem Berg am Meer entlang.

Es sieht wunderschön aus. Ein paar Weinberge und wenig Zivilisation. Endlich! Nach Spaniens Bau-

sünden.

Jedenfalls finden wir bei Cerbere einen Parkplatz und stellen uns hier hin. Es wird windig und da wir

mal wieder genau auf einer Kuppe stehen, über der der Wind hinwegfegt, laufe ich dann doch im

Dunkeln noch mal los und halte Ausschau nach einem geschützteren Platz. An einem Krankenhaus,

das direkt am Meer liegt, werde ich fündig. Hier schlafen wir ruhig und es stört uns niemand.

Am nächsten Tag dann dieser Blick:

 

in der Nähe von Cerbere (GPS: 42.45546,3.15984)

 

 

Am Montag, den 24.2. fahren wir dann bei herrlichem Sonnenschein weiter, kaufen unterwegs an

einer Tankstelle vom Intermarché eine französische Gasflasche, denn die Nächte werden, um so

nördlicher wir kommen, doch immer kälter, so dass wir die Nacht über heizen. Das klappt alles

wunderbar. Während ich noch schnell im Intermarché einkaufen gehe, wäscht Edda ne Waschmaschine draußen am Supermarkt und lässt auch alles noch schnell durch den Trockner nuddeln. Das ist wirklich

ne super Idee: Einkaufen und Wäsche waschen.

Dann fahren wir weiter Richtung Leucate - ein Surfrevier. Und ihr könnt es euch denken:

Surfrevier = Wind!

Also muss der Stellplatz windgeschützt sein. Durch Zufall finden wir einen Promobilstellplatz, der

terassenförmig angelegt ist und anscheinend geschützt liegt, denn es ist nahezu windstill.

Der Platz liegt hinterm Meer an einem Salzwassersee und wir haben einen tollen Blick auf die

schneebedeckten Pyrenäen im Hintergrund: 

 

Blick vom Stellplatz (GPS: 42.91295,3.01870)

 

 

Am 25.2. werden wir von der Sonne geweckt und es ist schnell so warm, dass wir im T-Shirt draußen

sitzen und Kaffee trinken. Weil wir das Wetter und die nette Atmosphäre hier so genießen, entscheiden

wir einfach, eine Nacht länger hier zu bleiben. Wir gehen am See etwas spazieren, sitzen ansonsten

draußen in der Sonne und lassen es uns gutgehen.

Es ist absolut windstill und das Wasser glatt wie ein Spiegel.

Abends gucken wir einen Film auf dem Laptop. Der Film ist gerade zu Ende und wir überlegen, ob wir

noch einen gucken, entscheiden uns dann aber schlafen zu gehen - es ist 22 Uhr -, da kommen solch

starke Böen auf, dass wir Angst kriegen.

Aus dem Nichts fliegt hier der Sand in Windhosen gefangen über den Platz. Die Böen kriechen unter

das Wohnmobil und drücken es nach oben. Es wackelt und hüpft.

Wir packen in Windeseile alles so zusammen, dass wir fahren können. Mittlerweile sind wir darin sehr

gut und schnell. Nichts wie weg hier. Andere Wohnmobile stellen sich erstmal anders zum Wind, dass

er nicht so eine große Angriffsfläche hat. Wir entscheiden, dass das nichts bringt und fahren vom Platz

in den Ort, der 500 m weiter beginnt. Dort finden wir sofort eine Mauer, auf der hohe Büsche und

Bäume wachsen. Vor der Mauer ist genug Platz für uns. Hier sollte es windgeschützt sein. Wir sind die

ersten hier. Kaum dass wir stehen, fährt ein Wohnmobil nach dem anderen um die Ecke und sucht

ebenfalls Schutz vor dem Sturm. Am Ende stehen wohl an die 6 Wohnmobile hier, weitere fahren

vorbei, weil kein Platz mehr für sie ist. Was für eine Aufregung! Wir müssen uns erstmal beruhigen,

sitzen einfach noch etwas rum, gucken aus dem Fenster, gehen dann schlafen.

 

 

Am Morgen des 26.2. sind wir sehr zufrieden, dass wir uns umgestellt haben. Wir haben super geschlafen

Nach langsamem Wachwerden fahren wir noch mal zum Platz, von dem wir geflüchtet sind und ver- und

entsorgen, bevor es weitergeht.

Immer weiter am Meer entlangfahrend kommen wir bald schon hier an:

 

Stellplatz in Saint Pierre la Mer (GPS: 43.190291,3.197188)

 

 

Der Platz ist sehr schön und naturbelassen. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen und flache

vorgelagerte Salzgewässer. Hier verbringen wir den Rest des Tages und genießen mal wieder die

herrliche Sonne.

 

Am 27.2., es ist mein Geburtstag, gibt es erstmal Geschenke und nach dem ersten Kaffee einen

kurzen Spaziergang Richtung Wasser. Es ist frisch so früh am Morgen, aber einfach herrlich. Wir

nutzen die Sonne, die sich später dann verziehen wird, so dass wir gegen 14 Uhr weiterfahren.

 

Wir wollen nach Seté fahren und dort den Rest des Tages/Abends verbringen. Es gibt einen Platz

hier, der im Internet als inoffizieller Stellplatz (GPS: 43.41000,3.70300) kursiert, aber hier stehen nur

abgewrackte Wohnwagen und Wohnmobile. Es sieht eher aus wie eine heruntergekommene

Wagenburg. Hier wollen wir Wohni nicht alleine lassen. Also suchen wir einfach nach einem Parkplatz.

Unterwegs dann die Osterglocken in voller Pracht am Straßenrand:

 

 

 

Wir fahren mehrmals im Kreis, finden aber keinen Parkplatz. So ein Mist.

Seté heißt auch "klein Venedig", weil es hier so viele Kanäle gibt. Bei unserer Parkplatzsuche erhaschen

wir auch ab und zu einen Blick in eine Gasse und sind dann am Ende sehr entäuscht, dass wir hier

(zum ersten Mal) keinen Erfolg bei der Parkplatzsuche hatten und somit einfach weiterfahren müssen.

 

Es wird ein langer Tag im Auto, dieser Geburtstag. Wir entscheiden uns nach dem Mißerfolg, weiter bis

in die Camargue zu fahren. Darauf freue ich mich ohnehin schon lange. Also warum nicht?

Unterwegs sehen wir schon einige Flamingos und nette Landschaft. Ich knipse und knipse... Ich ahne

noch nicht, dass ich von Flamingos wesentlich bessere Fotos bekommen werde.

 

Nach, ich glaube, 160 km Landstraße kommen wir in der Dämmerung in Saintes Marie de la Mer an.

Unterwegs gibt es schon einen Vorgeschmack auf die Camargue: 

 

schwarze Camargue-Rinder, im Hintergrund Flamingos

 

 

Wir wollen nicht gleich auf einen Stellplatz, sondern noch etwas essen gehen und hoffen, dass wir hier

etwas mehr Glück haben. Mitten im Ort und vor einem Wohnmobil-Verbotsschild (haben wir erst später

gesehen) parken wir Wohni und laufen in den kleinen Ort.

Wir finden ein Restaurant, das geöffnet hat und essen Nudeln mit fruits de la mare und Pizza mit

Sardellen. Dazu gibt es Hauswein. Es läuft im Hintergrund spanische Musik. Wir sitzen draußen,

obwohl es  hier abends ziemlich frisch wird. Aber es geht uns gut, ich versuche mich beim Kellner mit

ein paar Brocken französich - frisch aus dem Wörterbuch - zu unserer und der Belustigung des Kellners.

Irgendwie ist der Abend dann also doch noch ganz nett.

Wir fahren im Dunkeln mit Wohni ca. 2 km und stellen uns auf einen Sandplatz neben 2, 3 andere

Wohnmobile. Das Meer ist vor unserer Nase, man sieht es zwar nicht, aber man hört es.

 

Am Morgen des 28.2. dann klopft es früh um 9 Uhr an die Tür. Ich bin schon wach, Edda schläft noch.

Danach jedoch ist auch ihre Nacht vorbei!

Man kassiert von uns 10 Euro für die Nacht. Das wusste ich nicht. Naja, es soll hier allerdings Trink-

wasser geben. Die beiden Kassierer deuten Richtung Ort. Da schauen wir mal. Erstmal Kaffee kochen.

Unser Blick (der Regen hat sich gerade verzogen):

 

 

Stellplatz in Saintes Maria de la Mer (GPS: 43.45906,4.446909)

 

 

Später fahren wir dorthin, wo es Wasser geben soll. Wir drücken alle Knöpfe und Hebel, bis wir lesen,

dass die Säulen nur von 9-12 Uhr geöffnet sind. So ein Mist. Es ist natürlich schon nach 12 Uhr.

Also nun regen wir uns doch noch über die 10 Euro auf!

 

Na dann müssen wir eben ohne frisches Wasser weiterfahren.

Wir wollen in den östlichen Teil der Camargue. Wir fahren also ca. 70 km quer durch die Camargue,

immer Wasser um uns herum...

 

Hier die Eindrücke dieser Fahrt als Fotos:

 

Camargue

 

 

Flamingo, Camargue

 

 

Flamingo, Camargue

 

 

Flamingopaar, Camargue

 

 

Camargue-Pferde

 

 

Camargue-Pferd mit Kuhreiher

 

 

Camargue-Pferd mit Kuhreiher

 

 

Kraniche, Camargue

 

 

Kraniche, Camargue

 

 

Kraniche, Camargue

 

 

Kraniche, Camargue

 

 

Kraniche, Camargue

 

 

Am Ende der Fahrt des heutigen Tages kommen wir an an einem Ort, wo man fast denkt, die Welt wäre

hier zu Ende. Die Straße bzw. der asphaltierte Weg endet direkt am Meer. Links und rechts der Straße

Wasser, Wasser, Wasser. Flaches Wasser. Überall auf dem Wasser Flamingos!

Die Rhone mündet hier in das Mittelmeer. Auf den Flächen vor dem Meer wird Meersalz abgebaut.

 

Als wir hier ankommen, steht die Sonne schon tief und taucht die ganze Gegend in ein rotes Licht.

Die Kontraste könnten nicht stärker sein! Das Wasser wirkt dunkler, die Flamingos leuchten, die

Büsche und Bäume sehen rotbraun aus:

 

Blick vom Wohnmobil auf Flamingos (GPS: 43.35071,4.78350)

 

 

Die Flamingos stolzieren vorm Wohnmobil im Wasser auf und ab, ihren Schnabel immer nach Essbarem

ins Wasser abgetaucht. Sie haben die Ruhe weg. Es gibt eine Dynamik in der Gruppe. Ein Teil der

Flamingos läuft hinter- und nebeneinander in eine Richtung, während sie Nahrung suchen. Irgendwann

stehen sie dicht gedrängt. Später läuft die ganze Gruppe wieder gemächlich in die andere Richtung.

Man kann seinen Blick nicht abwenden.

 

Am nächsten Morgen, es ist der 1.3., werde ich vor dem Sonnenaufgang wach, denn ich habe mir den

Wecker gestellt, um Flamingos zu beobachten.

Gegen 7 Uhr gehe ich raus. Es ist hell, aber die Sonne noch nicht zu sehen. Es ist hundskalt, dazu

bläst es eisigen Wind. Aber es lohnt sich. In der Morgendämmerung gehe ich am Wasser entlang

und beobachte verschiedene Gruppen von Flamingos. Eine befindet sich direkt am Weg und nah vor mir.

 

Über mir fliegt ein Pärchen Flamingos. Noch scheint die Sonne nicht. Sehen sie nicht toll aus mit

ihrem Kuschelteddy-Bauch?

 

Flamingos, Camargue

 

 

Dann kommt die Sonne raus und die Camargue mit ihren Flamingos wird in Farbe getaucht:

 

Flamingos, Camargue

 

 

Flamingos, Camargue

 

 

Flamingo, Camargue

 

 

Flamingos, Camargue

 

 

Als wir später hier abfahren, mache ich noch schnell ein Foto vom Platz mit dem Handy:

 

Camargue

 

 

Wir sagen auf Wiedersehen Camargue, auf Wiedersehen Mittelmeer. Wehmut macht sich breit, als

uns bewusst wird, dass wir nun das Meer, das uns die letzten Monate treuer Begleiter war, verlassen

werden.

Wir machen uns auf nach Arles, der Stadt, in der Vincent van Gogh 1888 bis 1889 lebte, die Hauptzahl

seiner Werke schuf und seine wohl größte Krise durchlitt.

Die Fahrt hierher führt uns durch nette Landschaften, die Sonne macht es uns etwas leichter, Abschied

zu nehmen. Wenn uns bis jetzt nur vage der Gedanke streifte, die Reise nähme bald ihr Ende, wird

es uns nun allzu deutlich. Von nun an geht es fast ausschließlich nach Norden, die Sonne immer im

Rücken.

 

Als wir in Arles ankommen, ist es 14 Uhr. Der Stellplatz, den wir angesteuert haben, scheint wohl ein

offizieller zu sein: es gibt eine Ver- und Entsorgungsstation und neben uns stehen ein paar weitere

Wohnmobile. Der Stellplatz (GPS: 43.683476,4.630281) liegt direkt an der Rhone, die breit und im großen

Knick um Arles herumfließt. Es ist heiß in der Sonne. Im Wohni sind schnell 27 Grad erreicht.

 

Wir laufen dann auch bald in die Altstadt (was heißt "Altstadt"? Die Stadt ist von jeher eine alte Stadt,

über 2000 Jahre alt!! Es gibt faktisch nur Altstadt...).

Sie ist fußläufig gut zu erreichen und wir sind schnell entzückt von dieser Stadt. Wir schauen das

Amphitheater an, von dessen Turm man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Wir laufen durch eine

Vielzahl von Gassen, die uns verzaubern. Wir setzen uns vor ein Café in die Sonne - la dolche vita. Wir

entdecken das alte Nachtcafé, das van Gogh vor über 100 Jahren malte!

Diese Stadt nimmt uns. Vom ersten Moment an. Es war fast Zufall, diese Stadt überhaupt anzusehen, lag

sie zwar auf unserer Route, aber gewusst haben wir nicht viel über sie, außer die Geschichte mit van Gogh.

Dass es so um uns geschehen würde, war uns vorher nicht klar.

 

Hier ein paar Arles-Eindrücke: 

 

Arles

 

 

Arles

 

 

Arles

 

 

Arles

 

 

Arles

 

 

Weiter, immer weiter geht es nun für uns nach Norden. Durch die Provence, das Rhone-Tal, die Chamagne,

durch die Wälder des Morvan und möglicherweise durch die Vogesen, Elsass und Lothringen, durch

Deutschland. Wo genau die Route verlaufen wird, ist noch nicht ganz klar und wird sich wohl erst bei der

Fahrt ergeben.

 

Möglicherweise gibt es das Ende dieses Reiseberichts dann erst von zu Hause. Habt also etwas Geduld,

wir sehen uns dann ja auch bald wieder.

 

Allen noch an dieser Stelle herzlichen Dank für eure Glückwünsche zum Geburtstag!

 

 

unsere Route von Cerbere nach Arles vom 24.02.-01.03.14 (ca. 420 km):

 


 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 26.03.2014

 

Am 2.3. verlassen wir Arles und fahren durch herrliche Allee-Straßen weiter Richtung Norden. Das

Wetter könnte nicht besser sein. Blauer Himmel, Sonne: 

 

 

 

Gegen 14 Uhr kommen wir am nächsten Stellplatz an. Draußen sind 17 Grad, im Wohni sind es über

24 Grad. Am Ufer des Gardon, einem Fluss, der etwas flussabwärts in die Rhone mündet, finden wir einen

herrlichen Stellplatz vor. Wir sind fast allein hier, es ist himmlisch ruhig:

 

Stellplatz in Comps (GPS: 43.853899,4.609044)

 

 

In der Nacht regnet es sehr stark und da wir unter Maulbeerbäumen stehen, sieht Wohni am nächsten

Morgen aus wie ein Himmbeerkuchen. Überall kleben rot färbende "Würmer" am Wohnmobil. Die

fege ich erstmal rundherum ab.

Seit Ewigkeiten gehe ich hier mal wieder joggen. Es ist einfach zu verlockend, am Fluss entlangzulaufen.

Danach schneide ich mal wieder Edda's Haare, bevor wir dann etwas später zur Weiterfahrt aufbrechen.

Wir durchfahren die Provence und genießen diese Gegend. Sehr karg bebaut sieht man ab und zu mal

zwischen den Lavendelfeldern ein Gehöft, ansonsten nur Weinberge oder eben Lavendelfelder:

 

 

 

Wir nehmen wieder kleine Straßen durch die Felder und können uns nicht sattsehen. Hinter jeder Ecke

erwartet uns eine neue wunderschöne Aussicht. Alte Feldsteine, die zu kleinen Mauern getürmt sind,

sind vom Moos überzogen. Das Wetter macht es natürlich perfekt:

 

 

 

 

 

Wir legen unsere Route so, dass wir am Pont du Gard vorbeikommen, einem alten Aquädukt. Das wollen

wir uns nicht entgehen lassen. Wir hoffen sogar, dass wir dort in der Nähe die Nacht verbringen können.

Als wir jedoch dort ankommen, müssen wir feststellen, dass es keine Möglichkeit gibt, an das Aquädukt

heranzukommen, ohne eine riesige Parkplatzanlage zu benutzen und jede Menge Parkplatzgebühren zu

bezahlen. Wir lesen etwas von 18 € und kehren wieder um. Wir versuchen es noch auf der anderen Seite

des Flusses, aber dort das gleiche Bild: Schranken mit Parkplatzautomaten...

Wir lassen es, ärgern uns aber darüber, dass dieses tolle alte Bauwerk so verkommerzialisiert wird.

 

Stattdessen suchen wir einen Stellplatz heraus, den wir also für die kommende Nacht ansteuern

werden. Gegen 17 Uhr kommen wir dort an. Es ist eine Trüffelfarm bei Grignan (GPS: 44.422212,4.948885),

die mitten in den Lavendelfeldern liegt und nur durch Ministraßen zu erreichen ist.

Hier ist es sehr schön ruhig. Um uns herum stehen jede Menge Laubbäume, unter denen wahrscheinlich

die Trüffel wachsen. Die Vögel in den Bäumen geben ihr Bestes, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Nacht hier ist kalt, man kann die schneebedeckten Berge in der Nähe sehen.

 

Am Morgen des 4.3. fahren wir weiter immer nordwärts. Zu Beginn ist die Strecke wieder so schön wie

die Tage zuvor: Lavendelfelder und wunderschöne Steinhäuser, die so aussehen, als stünden sie hier

schon immer und ewig. Einzig ihre farbigen Fensterläden deuten auf die Gegenwart hin.

Später geht es leider auch durch Industriegebiete...

Gegen Nachmittag kommen wir in Reventin-Vaugris an, einem kleinen verschlafenen Ort - aber mit offiziellem

Stellplatz (GPS: 45.468201,4.842444). Drei Wohnmobile finden hier Platz und drei Wohnmobile stehen dann

auch am Abend hier zum Übernachten.

 

Am 5.3. fahren wir ziemlich zeitig ab, denn besonders schön ist der Platz hier nicht. Nach 70 km machen wir Pause an einem Stellplatz, der nichts anderes ist als ein Parkplatz vor einem Campingplatz, allerdings mit V/E

(GPS: 45.94015,4.768844). Aber wir machen uns hier nur etwas zu essen und fahren dann weiter.

Nach weiteren 60 km kommen wir um 16 Uhr in Châteauneuf an, einem kleinen Ort, in dem scheinbar

kaum noch Menschen mehr leben. Direkt neben dem Fluss und einer wunderschönen alten römischen

Brücke stehen wir allein und genießen den Blick, die Ruhe und das Plätschern des Flusses:

 

Stellplatz in Châteauneuf (GPS: 45.94015,4.768844)

 

 

Zum Abend gibt es so ein tolles Licht, dass ich noch ein paar Fotos mache, u. a. dieses hier:

 

Stellplatz in Châteauneuf (GPS: 45.94015,4.768844)

 

 

Über Nacht gibt es Frost! Das erste Mal auf unserer gesamten Reise. Wir hatten schon fast vergessen,

wie das aussehen kann. Es ist sehr eigenartig, fahren wir doch eigentlich dem Frühling entgegen. Nun

könnte man fast denken, es ist Herbst und der "erste" Rauhreif kündigt den Winter an...

Ringsherum sind die Wiesen hauchdünn mit Rauhreif überzogen. Erst als die Sonne langsam höher

steigt, löst sich das zarte Weiß auf und das saftige Grün der Wiesen kommt wieder zum Vorschein.

Wohni dampft aus dem Heizrohr. Drinnen im Warmen sitzend sehen wir den Dampf am Fenster vorbei-

ziehen. Hoffentlich springt Wohni an und hoffentlich ist die Kühlflüssigkeit noch ausreichend frostge-

schützt! Unterwegs mussten wir ab und zu etwas destilliertes Wasser nachkippen, so dass ich keine

Ahnung habe, wieviel Frostschutz noch vorhanden ist.

 

Etwas später dann als die Sonne schon wärmt, ist alles zusammengepackt und Wohni startet tadellos.

Zwar mit seiner üblichen Rauchwolke, aber er tut's.

 

Vorbei an vielen, vielen Äckern, mit oder ohne Kühen, ab und zu mit Schafen und Lämmern, fahren wir

eine ziemlich lange Strecke, bevor wir auf den letzten 20 km der Route durch Wald, vorbei an Auen, Seen,

entlang an vielen Bächen und Flüssen geführt werden.

Vieles erinnert hier an Kanada. Alles wirkt so weit mit den Wäldern und Seen. Der Himmel ist dunkelblau.

Wir kommen dann am Stellplatz an, der direkt an einem entlegenen See liegt. Es ist ziemlich still hier, bis

auf das unentwegte Vogelgezwitscher: 

 

Stellplatz in Les Settons (GPS: 47.19853,4.06303)

 

 

Wir sitzen draußen, essen die Reste des Curry's von gestern, lesen. Draußen in der Sonne sind es

25 Grad. Irgendwann sitzt Edda auf der Decke vorm Wohnmobil und legt Patiencen. Wir sind sehr

entspannt.

 

Stellplatz in Les Settons (GPS: 47.19853,4.06303)

 

 

Als die Sonne dann aber untergeht, wird es recht schnell sehr kühl. Für die Nacht sind wieder nur 0 Grad

angesagt. Allerdings soll das Wetter die kommenden Tage weiterhin so schön sonnig und warm bleiben.

Wir freuen uns, dass uns so die Rückreise leichter gemacht wird und wir nicht so ein Pech mit dem

Wetter haben wie auf unserer Hinreise.

Am Abend rechnen wir durch, wie weit es noch bis Potsdam ist und wie weit es bis Quedlinburg ist.

 

Hintergrund ist der, dass uns Anfang Januar unsere Freunde aus Potsdam fragten, ob wir nicht Lust hätten,

am 14.3. alle gemeinsam in Quedlinburg unser Wiedersehen zu feiern, und nicht zu Hause.

Zu der Zeit aber waren wir noch in Portugal und alles schien so weit weg, dass wir uns nicht festlegen

konnten und absagten. Es lagen noch geschätzte 7000 km vor uns... Alles Mögliche könnte passieren und

genau auf den Tag X in Quedlinburg zu erscheinen, war für uns nicht vorstellbar.

Wir hatten aber mitbekommen, dass unsere Freunde trotzdem nach Quedlinburg reisen würden und

quasi die Geburtstage der "Fische-Freunde" nachfeiern würden.

So kam uns an diesem Abend die Idee, dass wir es vielleicht doch auch schaffen würden, am 14.3. dort

zu sein. Ich rechnete die zu fahrenden Kilometer aus und welche Strecke wir pro Tag ungefähr zurück-

legen müssten, um dies zu schaffen. Es schien machbar und so war unser Plan perfekt: wir wollten

unsere Freunde am 14.3. in Quedlinburg überraschen.

 

Am Morgen des 7.3. werde ich dann sehr früh wach und gucke durchs Alkoven-Fenster raus auf den See:

 

 

 

Irgendwie ist mir kalt. Ich ziehe mir etwas an, steige die Leiter runter und schaue aufs Thermometer:

es sind nur noch 9 Grad im Wohni. Mist, dann wird wohl die Gasflasche leergegangen sein. Also raus

und Gasflasche umstecken. Das mache ich und gehe gleich nochmal mit Kamera raus.

Es ist idyllisch ruhig hier und der See spiegelglatt:

 

 

 

Draußen sind wohl um die Null Grad, eher etwas darunter. Die Pfützen sind gefroren:

 

 

 

Da wir nun ein konkretes Ziel mit Quedlinburg haben, fahren wir zeitig weiter, um Kilometer zu machen.

Gegen 10 Uhr, so früh wie selten auf der Reise, fahren wir noch im Restnebel los. Es sieht toll aus so früh!

Die Sonne gibt alles und bald ist es auch an diesem Tag wieder herrlich warm.

Unterwegs kommen wir an diesen Eseln vorbei:

 

 

 

 

Wir suchen unterwegs immer mal nach einem Intermarché, um unsere französische Gasflasche nochmal

umzutauschen. In Semur werden wir fündig, tauschen die Gasflaschen, kaufen noch ein und entscheiden

dann, hier noch einen Kaffee zu trinken:

 

Pause in Semur

 

 

Es ist eine niedliche alte Stadt. Wir schlendern noch etwas durch Fachwerkhaus-Gassen und fahren

dann irgendwann weiter. Draußen sind im Schatten 18 Grad, im Wohni 25 Grad. Man, ist das geil!

So fahren wir weiter, bis wir gegen 16:30 Uhr in Bazoilles sur Meuse ankommen: 

 

Stellplatz in Bazoilles sur Meuse (GPS: 48.302337,5.658388)

 

Nach 218 km Fahrt sind wir etwas platt, aber der Blick entschädigt und wir fühlen uns wohl. Es gibt

wirklich wunderschöne Plätze hier in Frankreich zum Übernachten!

In der Nacht mache ich dann noch ein Foto aus dem Dachfenster:

 

Stellplatz in Bazoilles sur Meuse (GPS: 48.302337,5.658388)

 

 

Am Samstag, den 8.3. lade ich früh noch schnell die Webseite hoch, dann sitzen wir lange draußen

und genießen die Sonne. Erst gegen 14 Uhr fahren wir weiter Richtung Vogesen und kommen um 16 Uhr

in Gerardmer an.

Wir haben uns nämlich entschieden, die Weinstraße auf französischer Seite nordwärts zu fahren und

um dies am nächsten Tag zu tun, bleiben wir eine Nacht hier in Gerardmer. Der Stellplatz ist nichts anderes

als ein riesiger Parkplatz: bis zu 100 Wohnmobile können hier stehen (GPS: N48°4'21'',O6°52'25''). Das sind

wir gar nicht gewohnt. Wir sind beschauliche, einsame Plätze gewohnt und nun stehen sie hier dicht an

dicht. Da gibts dann schon mal Ärger, wenn man den Stromgenerator einfach zwischen sich und den

Nachbarn stellt und laufen lässt...

 

Wir gehen sofort in den Ort, um eine Kleinigkeit zu essen und in der Sonne zu sitzen:

 

 

 

 Gerardmer ist ein touristischer Skifahrort und liegt in den Bergen an einem See. Hier oben sieht man,

trotz der Sonne und der Wärme, ab und zu Leute mit Skihosen. Es scheint also noch irgendwo möglich

zu sein, Ski zu fahren. Von Weitem haben wir auch eine Piste gesehen.

Das kommt mir alles eigenartig vor: Schnee! Skifahren... Dabei ist hier fast Sommer.

 

Am nächsten Morgen, es ist der 9.3., geht Edda früh Brötchen holen, ich mache Spiegelei. Nach dem

Frühstück wird noch die Scheibe geputzt - es ist oft sehr staubig hier - und wir fahren los. Zwischen 60

oder 70 Wohnmobilen hält uns nun wirklich nichts.

Zuerst geht es Richtung Col de la Schlucht. Ich bin mir sicher, dass uns kein Schnee mehr hier erwartet,

war es doch so warm die vergangenen Tage. Sonst hätten wir uns auch für eine andere Route entschieden.

Als wir jedoch immer höher kommen, liegt hier doch tatsächlich noch Schnee: 

 

 

 

Zugegeben, es ist nicht mehr viel und vor allem alter Schnee, aber etwas mulmig wird uns doch. Ich

schattigen Ecken liegt deutlich mehr Schnee und man muss eben immer damit rechnen, dass angetauter

Schnee, der als Wasser über die Straße läuft, dort wieder gefriert.

Alles geht gut. Die Straße ist überall trocken. Wir kommen am Col de la Schlucht vorbei, wo direkt neben

der Straße ein Sessellift in Betrieb ist und die Menschen mit Skiern anstehen. Alles ist unwirklich.

Ist nicht schon seit einem halben Jahr Sommer, zumindest Frühling???

 

Wir sind ganz aufgeregt und müssen natürlich mal anhalten und alles in Ruhe betrachten, auch mal den

"Schnee" anfassen:

 

 

 

 

 

Aus Versehen fahren wir bis Colmar, obwohl wir eigentlich kurz vor Colmar bei Turckheim auf die Weinstraße

abbiegen wollten. Dadurch kriegen wir einen kleinen Eindruck von Colmar und können es nicht empfehlen.

Langweilige Stadt ohne Charme - zumindest war das unser Eindruck.

Also geht es noch einmal ein kleines Stück zurück und nach Turckheim. Überall hier sehen wir wieder Störche,

die bereits ihre Nester belegt haben:

 

 

 

 

 

 

 

Wir lesen auch, dass man sich hier in der Gegend bemüht, dem Storch wieder die Lebensgrundlage

zurückzugeben und dafür Moor- und Sumpfgebiete zu renaturieren. Außerdem gibt es in den Orten

oftmals Aufbauten auf den Dächern, die dem Storch den Nestbau erleichtern sollen.

In Turckheim machen wir auch gleich eine Pause und trinken in einem Restaurant Kaffee - natürlich

draußen! Es ist herrlich. Man merkt, dass man sich hier bereits nah an Deutschland befindet. Man

versteht ab und zu die Menschen um einen herum, die Kellner sprechen mitunter deutsch.

Danach geht es weiter die "Route de la vin" nach Norden. Durch etliche kleine Orte mit ihren

Fachwerkhäusern fahren wir immer vorbei an den Weinhängen. Wir sind froh, dass wir uns für diese

Route entschieden haben. Das hat sich wirklich gelohnt.

In Obernai sehen wir beim Vorbeifahren eine nette Fußgängergasse und suchen einen Parkplatz, um

hier etwas essen zu gehen. Wir finden sogar einen offiziellen Stellplatz im Ort und sind froh, dass wir

hier sogar übernachten können (GPS: 48.45957,7.48699). Neben einem Skaterpark stehen wir hier.

Wir gehen in die Stadt, die wirklich sehr schön ist. Auf dem Marktplatz Biker über Biker...

Im La 55 essen wir Flammkuchen und trinken Wein/Bier.

Es wird unsere letzte Nacht in Frankreich sein, unsere letzte Nacht dieser Reise außerhalb von

Deutschland!

 

Am Montag, den 10.3. fahren wir weiter auf französischer Seite westlich des Rheins. Unterwegs

wollen wir einen letzten Kaffee in Frankreich trinken und machen Halt in Haguenau.

Wir haben einen charmanten Kellner, der mit nettem Akzent deutsch mit uns spricht, auf dem Dach

des Rathauses gleich um die Ecke hören wir die Störche klappern. Wehmut macht sich breit. Wir wissen,

dass unsere tolle Reise bald ein Ende haben wird. Es fällt uns sehr schwer, Abschied zu nehmen.

Einzig die Vorfreude auf unsere Freunde, insbesondere unserer geplanten Überraschung in

Quedlinburg machen es uns etwas leichter.

 

Wir fahren nach dieser Pause weiter, kaufen noch einmal bei Leclerc in Frankreich ein und kurz darauf passieren wir die Grenze zu Deutschland:

 

 

 

Ich habe einen Knoten im Herzen, einen Kloß im Hals. Im Auto ist es still. Ich glaube, wir können beide

nicht fassen, was im letzten halben Jahr passiert ist und dass dies nun zu Ende sein soll.

Mir kullern ein paar Tränen über die Wangen. Würde ich jetzt anhalten, gäbe es wohl kein Halten mehr.

Es ist ein so eigenartiges Gefühl, wieder im Heimatland zu sein! Wir haben alle Tage im Ausland so

sehr genossen, nie schlechte Erfahrungen gemacht, fühlten uns immer willkommen. Die Leichtigkeit

des Südens fließt noch in unseren Adern. Nun hat man urplötzlich das Gefühl einer Schwere, die sich

breitzumachen versucht. Ein Gefühl, wie in ein fremdes Land zu kommen... Die Straßenschilder hier

kommen mir fremd vor, die Ampeln nerven innerhalb kürzester Zeit. Mir fehlen sogar augenblicklich

diese unangenehmen Huckel auf der Fahrbahn, um die Geschwindigkeit zu reduzieren, die es sowohl

in Frankreich als auch in Spanien und Portugal gibt. Die Autos sehen größer und teurer aus und rasen

ungehemmt an uns vorbei. All das war uns vor einem halben Jahr sehr vertraut und nun wirkt es fremd

und ungesund. Unentspannt.

 

Wir fahren den nächsten Stellplatz, unseren ersten seit Monaten in Deutschland, an. Er ist in Karlsruhe

direkt am Rhein:

 

Stellplatz in Maxau, Karlsruhe (GPS: 49.03738,8.30541)

 

 

Wie ihr seht, führt unmittelbar am Stellplatz eine riesige Autobahnbrücke und dahinter eine Eisen-

bahnbrücke vorbei. Entsprechend laut wird die Nacht. Der Verkehr will einfach nicht abreißen. Es

donnert und scheppert unaufhörlich.

Deshalb fahren wir am 11.3. dann auch schon um 9:30 Uhr weiter. Über Speyer und Heidelberg geht

die Fahrt. Ab Heidelberg fahren wir immer links vom Neckar und genießen die wirklich wunderschöne

Landschaft, die bei dieser Sonne und dem blauen Himmel malerisch aussieht.

In Eberbach machen wir direkt am Neckar Pause und trinken (schlechten Filter-) Kaffee. Im T-Shirt

sitzen wir in der Sonne und halten es kaum aus vor Hitze.

 

Dann geht es 75 km weiter nordostwärts über Straßen durch wunderschöne Natur. Es ist hügelig, bergig.

Wir kommen am Nachmittag in Leidersbach an. Der Stellplatz liegt inmitten der Dorfbebauung, ist aber

ruhig und sonnig gelegen:

 

Stellplatz in Leidersbach (GPS: 49.90135,9.21709)

 

 

Wir haben sogar tierische Nachbarn hier:

 

 

 

Gegenüber stehen Pferde auf der Wiese. Wir genießen die "Dorfidylle", sitzen draußen in der noch warmen

Nachmittagssonne und lesen. Ich plane weiter unsere Route bis Quedlinburg.

 

Am Morgen des 12.3. frühstücken wir hier in Ruhe und beobachten diesen Specht (?):

 

 

 

Da am Tag zuvor ab und zu die Bremsleuchte angegangen ist, suchen wir erstmal eine Werkstatt auf,

die auf dem Weg liegt. Vorsichtig tasten wir uns über die hügelige Landschaft.

In der Werkstatt findet der Monteur auch gleich die Ursache: hinten links ist am Bremszylinder (?) ein

kleiner Riss, so dass Bremsflüssigkeit austreten kann. Er füllt die Bremsflüssigkeit nach und wir versuchen

erstmal weiterzufahren, um das dann zu Hause reparieren zu lassen. Notfalls müssen wir nochmals

in einer Werkstatt anhalten und Bremsflüssigkeit nachfüllen lassen.

 

Ich versuche, wo ich kann, mit dem Motor zu bremsen bzw. die Handbremse zu benutzen, um die anderen

Bremsen zu schonen, da bei jedem Druck auf die Bremse Flüssigkeit wegen des Überdrucks entweichen

kann. Das klappt ganz gut und es stellt sich sogar später heraus, dass wir auf diese Weise die

spritsparendste Etappen der Reise zurückgelegt haben.

 

Ca. 100 Kilometer fahren wir dann noch durchs Spessart und damit durch herrliche Wälder:

 

 

 

Am späteren Nachmittag kommen wir am nächsten Stellplatz in Poppenhausen an:

 

Stellplatz in Poppenhausen (GPS: 50.48963,9.87635)

 

 

Hier, in Poppenhausen, sitzen wir noch recht lange draußen und genießen die Sonne. Irgendwie ahnen

wir, dass dies bald ein Ende haben wird. Später bekommen wir leider noch Nachbarn, aber die Sonne

ist dann eh bald schon hinter den Bäumen und wir ziehen uns ins Wohnmobil zurück.

Neben uns ist ein großer Fussballplatz, auf dem am Abend noch Frauen bei Flutlicht trainieren.

 

Am nächsten Morgen gehe ich ins Dorf und hole Brötchen. Dabei rutscht mir doch raus, dass ich drei

Schrippen haben möchte. Die Verkäuferin guckt mich fragend an. Eine Kundin, die vor mir steht, dreht

sich um und meint "noch ne Berlinerin!" Sie kommt aus Friedrichshain und lebt jetzt hier.

Deutschland hat uns wieder. Aber es passiert noch relativ sanft. Wir haben Zeit anzukommen.

 

Es ist der 13.3. und wir fahren weiter nach Erfurt, die letzte Etappe vor Quedlinburg. In Erfurt steuern

wir einen Messeparkplatz an. Nach einiger Kreisfahrerei finden wir am frühen Nachmittag einen P+R,

stellen Wohni hier für 4,- € die Nacht ab und fahren mit der Tram, die direkt vorm Parkplatz abfährt,

in die City.

 

Erfurt ist eine tolle Stadt! Kleine Gassen und Brücken, Plätze... Es gefällt uns hier sehr. Wir essen auf

Wenigemarkt Sushi bzw. thailändisch und gehen später hier ins Kino und sehen "Die Bücherdiebin",

denn wir haben ein halbes Jahr Kinoentzug... Danach geht es mit der Tram wieder zurück zu Wohni.

Hier noch ein paar Eindrücke von Erfurt:

 

Erfurt

 

 

Krämerbrücke, Erfurt

 

 

Krämerbrücke, Erfurt

 

 

Krämerbrücke, Erfurt

 

 

Am Freitag, den 14.3. geht es dann nach Kaffee und Frühstück weiter. Ziel heute ist Quedlinburg.

Wieder fahren wir durch herrliche Landschaft. Irgendwann durchstreifen wir den Harz in seinen

südlichen Auszügen, da erhalten wir Bilder von unseren Freunden in Quedlinburg. - Mit der Frage,

wo wir denn seien. Wir schreiben, dass wir noch in der Provence sind.

30 Kilometer weiter erreichen wir Quedlinburg,  fahren auf den Stellplatz (GPS: 51.787160, 11.134627)

und gehen gleich in die Altstadt. Auf einem herrlichen Platz am Schlossmuseum setzen wir uns in ein

Café und essen etwas. Wir haben die Hoffnung, dass unsere Freunde hier vielleicht vorbeioschlendern,

denn wo genau sie hier wohnen, wissen wir nicht.

Kurz darauf nickt Edda mir zu und deutet über den Platz. Wir sehen Andreas und Peggy. Sie suchen nach

einem Platz, unsere Blicke treffen sich. Ein zweites Mal Hinsehen. Ein drittes Mal. Plötzlich fällt der

Groschen und quer über den Platz gibt es Freudenrufe. Die Überraschung ist perfekt. Man, ist das schön,

die beiden zu sehen! Da die anderen auch bald aus dem Museum herunter auf den Platz kommen werden,

setzen die beiden sich getrennt von uns, um die anderen abzulenken. Nach und nach kommen alle

auf den Platz und bei jedem das gleiche Spiel: Andreas und Peggy lenken die Aufmerksamkeit auf sich,

um dann über den Platz zu deuten, wo man denn gemeinsam sitzen könnte. Einer nach dem anderen

erhascht einen Blickkontakt mit uns und jedes Mal dauert es zwei, drei Augenblicke, bis realisiert wird,

dass wir das sind, die hier sitzen. Was für eine Wiedersehensfreude! Ziemlich aufgeregt, etwas aufgelöst

und voller Freude sitzen wir dann später an drei oder vier zusammengeschobenen Tischen, unterhalten

fast den ganzen Platz. Immer wieder schauen wir uns alle an und können es nicht fassen. Nach einem halben

Jahr müssen wir wie Flüchtlinge, die zurückgekehrt sind, wirken. Vieles gibt es zu erzählen, zu erfragen.

Natürlich sind wir neugierig, wie es zu Hause für alle lief. Über uns weiß ja im Grunde über den Blog

jeder Bescheid. Wir dürfen sogar unseren aus der Camagne in Frankreich mitgebrachten Champagner

öffnen, bekommen ausreichend Gläser von der Bedienung und stoßen auf unsere Reise und die Rückkehr

an. Was für ein aufregender Tag!

 

Quedlinburg

 

 

Hier verbingen wir dann noch gemeinsam das Wochenende, wohnen mit den anderen in einer

wunderschönen Ferienwohnung in der Altstadt, nehmen hier dann auch das heißersehnte Bad in der

Badewanne, denn es ist leider ab Samstag bitterkalt und windig hier. Das sind wir nicht gewohnt, ich

bin fast nur am Frieren.

Das langsame Ankommen wird mit unseren Freunden zum rasanten Wiedereinstieg in die Gemeinschaft,

zum Verlassen unseres Schneckenhauses, das uns im letzten halben Jahr Ruhe und Zweisamkeit bot.

Es ist wie immer, wenn wir alle bei Clive sind und am Morgen einer nach dem anderen aus seinem Bett

schlüpft, ungekämmt und ungewaschen den ersten Kaffee in der Küche nimmt und das morgendliche

Gebrabbel beginnt. Es ist eine Rückkehr, wie wir sie uns gewünscht haben. Alles ist vertraut.

Als wir dann am Sonntag, nachdem wir alle gemeinsam noch in Halberstadt waren, Abschied voneinander

nehmen, ist es sehr eigenartig. Nach Wochen der Ruhe waren die drei Tage turbulent und nun sind wir

wieder allein. Die Reise ist zu Ende. Wir haben, auch weil das Wetter so schlecht ist, keine Lust, noch

irgendwohin zu fahren und entscheiden dann, dass wir auch nach Hause nach Potsdam fahren.

Der Wind macht uns anfangs sehr zu schaffen. Es ist gefährlicher Seitenwind auf den ersten 30, 40

Kilometern. Später, als wir dann die B1 Richtung Osten fahren, kommt der Wind von hinten. Das lässt

sich dann gut fahren.

Da wir über die B1 direkt bei meiner Oma vorbeikommen, muss ich natürlich kurz zu ihr und sie einmal

drücken. Das machen wir dann auch. Sie ist überglücklich, uns zu sehen. Zu sehen, dass es uns gut geht.

Freudig zeigt sie uns den Stapel Ansichtskarten, die wir ihr von unterwegs geschickt haben, trinken einen

Kaffee und fahren dann nach Hause.

Wir fahren nach Potsdam rein und es ist nochmal eigenartig. Waren wir wirklich weg?

 

Wir finden einen Parkplatz, bauen die Fahrräder ab, nehmen das Nötigste und unsere Dreckwäsche mit

und betreten dann zum ersten Mal seit Monaten wieder Edda's Wohnung.

Eine Waschmaschine nach der anderen wird gewaschen, am Abend gibt es Tatort. Es ist schließlich Sonntag.

Der große Fernseher kommt uns unwirklich und viel zu groß vor. Wir suchen Dinge in der Küche, wissen

nicht mehr, wo deren Platz eigentlich ist. Wir kochen auf dem Cerankochfeld und promt läuft alles über.

Wie ging das noch mit den Fernbedienungen für Kabel und Fernseher? Welche ist wofür? Wie ging die

Kaffeemaschine noch gleich? Wo muss ich was drücken?

Immer wieder fragen wir uns gegenseitig, wo wir was finden oder wie dieses oder jenes funktioniert.

Wir haben tatsächlich einiges verlernt bzw. vergessen.

Sogar, dass warmes Wasser einfach aus dem Hahn kommt, wirkt auf uns eigenartig. Wir haben zum

Waschen und Zähneputzen immer Wasser auf dem Herd warm gemacht, um nicht die Heizung ständig

laufen lassen zu müssen. Das war für uns völlig normal und nicht umständlich.

Plötzlich wirkt das Einfache, das Normale unnormal.

 

Langsam kommen wir an, wir haben glücklicherweise ja auch fast noch zwei Wochen, um uns wieder

einzuleben und wichtige Dinge zu erledigen.

Wir werden vieles aus diesem halben Jahr mitnehmen in den Alltag. Einige Dinge werden sich ändern

müssen, das haben wir begriffen.

Es ist ein wunderbares Gefühl, diese Reise gemacht zu haben!

 

Edda & Stephanie

 

 

 

unsere Route von Arles nach Potsdam vom 02.03.-16.03.14 (ca. 1900 km):